Montagmorgen . Stau. Aus dem Radio plappert der Ferdi mit der lustigen
Morningshow: „Boah, Montagmorgen, der schlimmste Tag der Woche! Ab jetzt läuft
der Countdown: In vierdreiviertel Tagen ist ... jawoll! Wochenende! Und heute
sind es nur noch sieben Stunden bis zum Feierabend. Das halten Sie durch. Mit
den besten Hits der 80er, 90er und von heute!“
Später dann, in der Kaffeeküche, nörgelt der Kollege aus dem Vertrieb über die
neuesten Entscheidungen aus der Chefetage. Endlich Mittagspause: Der
Kantinenchef hatte mal wieder einen schlechten Tag, jedenfalls schmeckt das
Essen dementsprechend. Am Nachmittag, in der Raucherpause, klagt dann die Kollegin
ihr Leid: Mit der Ehe läuft es auch nicht mehr so. Und selbst? Der Blick aus
dem Fenster bestätigt: Mistwetter!
Wenn dann noch der Chef seine Unzufriedenheit mit den Monatszahlen zum Ausdruck
gebracht hat, der Blick ins Internet bestätigt, wie schlecht die
Tabellensituation des favorisierten Fußballclubs ist, und die halbe Belegschaft
bis zum Feierabend verdrossen überlegt, ob sie der inneren Kündigung auch noch
die formale Kündigung folgen lassen soll, dann ist der typisch deutsche
Büro-Arbeitstag perfekt. Wenn jetzt noch der wichtigste Kunde anruft und nervt
...
Die Umfragen des Gallup-Instituts bringen es regelmäßig auf den Tisch: Derzeit
setzten sich 11 Prozent der Beschäftigten voll und ganz für ihr Unternehmen
ein. Die restlichen 89 Prozent haben nur eine geringe oder gar keine emotionale
Bindung an das eigene Unternehmen. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der
eigenen Arbeit und der des restlichen Teams sind den meisten Arbeitnehmern so
ziemlich bis völlig egal. Diese Mitarbeiter erkennt man zuverlässig daran, dass
sie sich die meiste Zeit des Tages mit Jammern beschäftigen. Da wird
lamentiert, was das Zeug hält, oder den Lamentos der anderen gelauscht.
Um auszurechnen, wie teuer diese Haltung für unsere Volkswirtschaft ist,
brauchen Sie nur ein wenig Sekundarstufen-Mathematik: 2009 betrug das deutsche
Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2.397.100.000.000 Euro. Angenommen, die 89 Prozent,
die nicht voll oder gar nicht engagiert waren, hätten ihre Leistung um
lediglich 10 Prozent erhöht – dann wäre das BIP in Deutschland um
237.046.556.000 Euro höher gewesen. Die Differenz entspricht locker dem
kompletten BIP von Griechenland!
Aber da geht noch viel mehr. Nur um einmal das Potenzial aufzuzeigen:
Angenommen, das Bruttoinlandsprodukt wäre 2009 im wesentlichen von den
engagierten 11 Prozent erwirtschaftet worden – wie nah das an der Realität
liegt bestimmen Sie – und angenommen die restlichen 89 Prozent würden künftig
plötzlich genauso gut mitziehen wie die 11 Prozent bislang, dann würde
Deutschland ein BIP von über 20.000.000.000.000 Euro erzielen: zwanzig
Billionen Euro. Also fast doppelt so viel wie die Europäische Gemeinschaft.
Unsere Volkswirtschaft wäre die mit Abstand größte und würde fast die Hälfte
der Wirtschaftsleistung der gesamten Welt erbringen.
Wenn ich mir diese Dimensionen vor Augen halte, denke ich: Wir zahlen alle
einen verdammt hohen Preis für das alltägliche Lamento! Um wieviel wohlhabender
und zufriedener und froher könnten wir alle sein, wenn wir unsere Einstellung
zur Arbeit verbessern und dann mehr zupacken würden! Denken Sie daran, wenn Sie
das nächste Mal einem Kollegen beim Jammern zuhören oder sich selbst dabei
erwischen: Zwanzig Billionen! Und drehen Sie am Montagmorgen besser das Radio
ab ... |



